5. Versuch, 4.er Transfer

Wir haben noch einen Embryo auf Eis. Bevor wir unsere letzte Stiumaltion angehen, liegt also alle Hoffnung auf ihm. Ich schreibe der Ärztin und Frage, welche Tests sie vorher noch vorschlagen würde. Nicht, dass ich glaube, mich für den nächsten Transfer angemeldet zu haben und sie in der Klinik mit neuen Überraschungen oder Ideen kommen. Da frage ich doch lieber erst mal nach. Dr. Blume antwortet, dass eine Biopsie der Gebärmutterschleimhaut sinnvoll wäre. Außerdem würden sie auch gerne eine Hysteroskopie machen. Also in die Gebärmutter reinschauen und visuell abchecken, ob alles in Ordnung ist. Vollnarkose.

In mir sträubt sich alles. Wann hört die Behandlung auf verhältnismäßig zu sein? Ich will keine Vollnarkose. Wir machen also erst einen Termin nur für eine Biopsie, die wird ohne irgendeine Anästhesie gemacht. In der folgenden Nacht lässt mich das nicht mehr los. Mir geht auf, dass ich vielleicht um diese scheiß Hysteroskopie nicht herum komme. Was wenn der nächste Embryo auch nicht bleibt? Dann machen wir die Hysteroskopie auf jeden Fall. Was wenn sie wirklich was finden? Dann werde ich mir ewig vorwerfen, dass ich das nicht schon eher gemacht haben und vier Embryonen damit drauf gegangen sind.

Donnerstag 20. Dezember 2018

Ich schreibe Michael per Chat, dass ich der Hysteroskopie zusagen werde. Und ich rufe Dr. Blume an, dass ich einen Termin für die Hysteroskopie haben möchte. Gleich im neuen Jahr soll es los gehen.

Ich bin deprimiert. Scheiß Weihnachten. Scheiß 2018. Und jetzt nehmen wir den Mist mit ins Jahr 2019 und gleich damit fängt es auch an. Ich bin nervös in den folgenden Tagen. Aber zum Glück ist der Termin schon in zweieinhalb Wochen. Ich hatte befürchtet, dass man vielleicht lange auf den Termin warten muss, aber das passt. So habe ich es nicht lange vor mir und bis dahin ist so viel los, dass die Zeit schnell vergehen wird. Und ich habe nicht viel Zeit mich damit zu beschäftigen.

Mittwoch 2. Januar 2019

Ich habe mir an Weihnachten eine Erkältung eingesammelt. Das gefährdet natürlich wie immer auch diesen Eingriff. Ich war also schon die Tage vorher mit aggressiver Krankheitsbekämpfung beschäftigt. Zwiebelhonig, inhalieren, schlafen. Bei der Aufklärung in der Endo fühle ich mich aber fit. Leicht nasal klinge ich trotzdem. Die Ärztin die uns aufklärt ist neu. Ich bin nicht begeistert. Das übliche „Einfühlungsvermögen“. Ich sitze da und höre mir die Aufklärung zu dem Eingriff an und könnte heulen. Ich mag nicht. Ich arbeite nur drauf zu es hinter mich zu bringen. Dr. Blume kommt dazu und wünscht mir beim Reinkommen ein frohes neues Jahr. Ich lehne ab, mein Jahr hat noch nicht angefangen.

Dr. Blume wird den Eingriff machen und mein begeistertes Seufzen bringt ein Lächeln auf alle Anwesenden. Die Überweisung zur Aufklärung in der Anästhesie nehme ich mit nachhause. Ich bin ja nicht doof und gehe mit einer Erkältung da hin, dann kann ich mir gleich einen neuen Termin für die Hysteroskopie geben lassen und ich mag das nicht noch länger vor mir haben.

Freitag 4. Januar 2019

Ich habe meinen fertigen Bogen dabei. Sogar die doofe Frau vom letzten Mal sitzt da und nimmt ihn entgegen. Aber entweder erkennt sie mich nicht, oder sie ist klug genug mich nicht nochmal mit ihren Bauernweisheiten zu behelligen. Der Anästhesist kommt irgendwoher aus dem Süden, hat Akzent und ist ordentlich flirty. Er schlägt mir vor, dass wir uns duzen können und also tun wir das. Er stellt seine Fragen, klärt mich über die Anästhesie auf und klimpert mich mit seinen brauen Augen an. Immerhin, wenigstens mal einer mit dem das in diesem Laden Spaß macht.

Das einzige was ich dem bevorstehenden Eingriff abgewinnen kann ist die Vollnarkose. Dank ihr werden ich weder die Intubation bemerken, noch deren Entfernung. Ich werde nichts von der Urinketheterisierung mitbekommen und auch nichts von der Aufblähung meines Uterus mit dem Wasser, noch irgendwelches Geschnibbel. Andere Frauen berichten auf Blogs und Foren, dass sie schmerzen in den folgenden Tagen von der Katheterisierung hatten. Außerdem ist mit Halsschmerzen von der Intubation zu rechnen. Und natürlich eine neue kleine Narbe auf der Hand vom Zugang.

Montag 7. Januar 2019

Michael fährt mich auf 7 Uhr in die Klinik. Da es ein 6er Raum voller Frauen ist, rufe ich ihn an um ihm zu sagen, dass er nach dem Parken nicht mehr kommen braucht, sondern gleich heim kann. Das sieht hier nicht willkommend aus. Die diensthabende Schwester ist mir unsympathisch. Sie macht lauter Sachen ohne aufzuklären warum. Urintest. Ich weiß es, aber ich frage am Ende trotzdem warum. Schwangerschaftstest. Sie teilt einen Bogen aus, alle kriegen einen. Man soll ihn zuhause ausfüllen und abschicken. Klingt als sei es wichtig, aber warum sagt sie nicht. Ich frage nach. Evaluation für den Aufenthalt in der Klinik. Ich lege den Bogen in die Schublade meines Bettschränkchens und „vergesse“ ihn. Den scheiß Aufenthalt muss ich nicht auch noch mit nachhause nehmen.

Dann warten. Neben mir kommt eine ins Bett, die mir bekannt vorkommt. Aber sie erinnert sich nicht an mich und ich komme nicht drauf. Mir ist kalt. Ich hole mir Socken und Stulpen. Die blöde Krankenschwester bellt mich an, dass ich die eh gleich wieder ausziehen werde. Ich bekomme Kompressionsstrümpfe. Auf Nachfrage auch die Erklärung wozu: gegen Thrombosen. Meine Stulpen ziehe ich drüber. Warten. Hunger. 8 Uhr, 8:30 Uhr. Erst hieß es ich könnte vielleicht eher dran kommen. Aber das geschieht wohl doch nicht. Ich schaue Filmchen, versuche zu schlafen. Nichts geht wirklich. Ich bin ultra nervös. Dann 9:45, wie ursprünglich geplant, werde ich abgeholt. Ein Herr schiebt mich durch das Haus in den OP-Vorraum. Tatsächlich ist das Patienten im Krankenhaus rumschieben ein eigener Berufsstand. Die Schwester vo der OP, im Voraum, ist nett und geschwätzig, das ist super, ich bin so nervös und quassle mit ihr. Sie legt den Zugang.

Kurz darauf kommt der Nächste der mich rumschiebt, diesmal im grünen Anzug. Und plötzlich ist alles wie im Film. Der hässliche Kachel-OP-Raum ist grün, viele Leute sind da. Grün. Die riesen OP-Leuchte, viele viele Geräte, aufgeregtes Räumen und Reden. Der Anästhesist stellt sich vor, ich darf vom Bett auf den OP Tisch umsteigen. Ich muss mich gar nicht frei machen, kriege sogar noch eine warme Decke oben drauf. Den Anästhesisten erkläre ich zu meinem besten Freund. Eine Schwester meint irgendwann, dass doch gerade zu viele Leute um mich rum wären und ich beruhigte sie: Kein Probelm! Mein bester Freund ist da :P.

Mein bester Freund fragt, ob ich aufgeregt sei. Diese blöde Herz-Maschine verrät immer alles 😛 Wir könnten los legen und kurz darauf bin ich weg.

Als es mir wieder dämmert, bin ich schon ohne Intubation im Aufwachraum. Nicht allzu lange liege ich da rum, da werde ich schon wieder in den 6er Raum geschoben. So langsam komme ich wieder zu mir und bemerke, dass ich in einer Netzunterhose mit fetter Binde liege. Sexy. Aufstehen darf ich nicht. Aber trinken. Nach einer Weile darf ich mit Begleitung aufs Klo. Ein Schwall Blut ergiesst sich in die Toiltte und ich erschrecke . Aber ich habe es hinter mir.

So langsam dröppeln die Ärzte bei den anderen Damen ans Bett und ich höre alle Diagnosen und will sie gar nicht hören und will auch nicht, dass die anderen erfahren, was mit meiner Gebärmutter schief ist oder nicht. Da Michael noch nicht da ist und die Endo ja eh um die Ecke ist, rufe ich Dr. Blume an. Ich frage, ob wir nach meiner Entlassung, die auf 15 Uhr angekündigt wurde, einfach zu ihr (und nicht sie zu mir) kommen können. Dann hätten wir Privatsphäre und Michael wäre auch dabei. Ja kein Problem.

Tatsächlich kommt sie aber in den 6er Raum, zu meiner Bettnachbarin und wieder kriege ich alles mit, was ich nicht wissen will. Daten-HUST-schutz im Krankenhaus… … Da ich fertig bin, nimmt Dr. Blume mich aber gleich mit. Ich bin halb wegs fit, krankenhausverköstigt, also satt. Ich gehe mit ihr und ihrer Kollegin durch die „geheimen“ Gänge der Klinik in die Endo. Die Schmerzen halten sich in Grenzen.

In der Endo warte ich noch im Warteraum auf Michael und dann sind wir auch schon dran. Der Eingriff hätte sich wohl gelohnt. Wie sich doch „etwas lohnen“ in diesem neuen Leben neu definitert… Sie hätten ein Septum gefunden und entfernt. Eine Haut, die von der „Gebärmutterdecke hängt“. Dieses könne zwar nicht eklären, warum es bisher zu keiner Embryo-Einnistung und Schwangerschaft kam, aber es hätte bei einer möglichen Schwangerschaft im späteren Verlauf ein Problem machen können [können! nicht müssen!].

So ein Septum ist weniger durchblutet als der Rest der Gebärmutter. Wenn ein Embryo sich an einem Septum einnisted, besteht die Gefahr, dass irgendwann nicht mehr genug Versorgung da ist. Aber wie gesagt, das erklärt nicht, warum ich bisher nicht schwanger geworden bin und hätte im Fall einer Schwangerschaft auch nicht zum Tragen kommen müssen.

So ein Septum ist wohl ein Überbleibsel der eigenen Emryonalentwicklung. Ein Zeichen dafür, dass ich selber mal gewachsen bin. Die Gebärmutter bildet sich nämlich wohl aus zwei Teilen. Diese zwei Teile wachsen im Laufe der Entwicklung des Embryos zusammen und das Septum ist einfach ein Stück zu groß bemessene Schnittstelle. Jetzt ist es weg und mir tut es fast ein bisschen leid.

Wie das in der Mitte, untere Reihe dürfte es wohl ausgesehen haben:

Sonst sei alles in Ordnung, nichts weiter Verdächtiges, was die nicht-Einnistung erklären könne. Jetzt müssten wir noch etwa vier Wochen auf die Biopsieergebnisse warten.

Nach dem Eingriff geht es mir besser als nach den Punktionen. Ich habe kaum Schmerzen, bin aber platt von der Anästhesie und froh, dass ich mich habe krankschreiben lassen. Die Schmerzen kommen am Folgetag und hin und wieder drückt es auch in den weiteren Tagen. Nach zwei Tagen bin ich wieder fit, der Blutausfluss lässt auch nach und hin und wieder spüre ich ein Zwicken in der Gebärmutter. Sport soll ich die nächsten zwei Wochen keinen machen, der Beckenbogen wäre unter dem Eingriff sehr in Mitleidenschaft gezogen worden.

Ich habe gelesen, dass die Wunde von dem Septum mit neuer Gebärmutterschleimhaut überwächst. Darf ich jetzt wieder hoffen? Oder geht das gerade so weiter?

Mittwoch 23. Januar 2019

Ein Anruf aus der Endo. Komisch… sind doch erst 17 Tage seit der Biopsie. Die Ergebisse seien schon da. Die Killerzellenwerte seien normal. Aber ich hätte eine Entzündung der Gebärmutterschleimhaut und sollte dazu 14 Tage Antibiotika nehmen. Danach müsste man nochmal eine Biopsie machen lassen. So kann man feststellen, ob die Infektion von den Antibiotika erfolgreich bekämpft wurde. Auf meine Frage, ob man eine Idee hätte, wie lange ich die schon habe, meint Dr. Blume das können man leider nicht festestellen.

Nach meinen folgenden Rechercheren wird mir klar, dass vielleicht auch erst die Behandlung in der Endokrinologie die Infektion verursacht hat. Aber man wird es nie wissen. Und wie viele Frauen trotz so einer Entzündung trotzdem schwanger werden weiß man auch nicht. Die Studienlage ist dünn. Offenbar ist erst seit ein paar Jahren der Zusammenhang Entzündung/nicht-Einnistung im Rahmen von IVF etabliert. (Siehe https://www.wunschkinder.net/aktuell/wissenschaft/endometritis-gebaermutterschleimhaut-ivf-8538/).

Andere Ursachen sind Infektionen wie mit Chlamydien oder die Spirale. Da ich beides hatte, frage ich mich, ob bei einem ordentlichen Gespräch mit den Ärzten die Biopsie nicht gleich als allererstes gemacht hätte werden können. Denn wenn die Chlamydien oder die Spirale die Ursache waren, dann sitze ich schon lange auf der Infektion. Bei einem spätern Gespräch meint die Ärztin, dass eine Einnistung bei Entzündung sehr unwahrscheinlich sei. Wir haben also drei Embryonen und neun Monate kack ICSI-Behandlung einfach für den Arsch gemacht und dabei wäre die Biopsie überhaupt kein Problem gewesen. Der hätte ich sofort zusgestimmt.

Ich fahre direkt nach dem Anruf in die Klinik um das Rezept für die Antibiotika zu holen. Immerhin habe ich eine Entzündung, die will ich los werden und die Tabletten haben Nebenwirkungen, die will ich hinter mich bringen.

Ich soll die Tabletten auf keinen Fall auf leeren Magen nehmen, da sie auf die Schleimhäute gehen. Begleitend bekomme ich auch gleich was für die Vaginalflora, weil die unter Breitbandantibiotika auch mitausgemerzt wird. Ich besorge mir noch was für die Darmflora.

Die Einnahme ist zwei mal am Tag mit den Mahlzeiten. Und wieder takten Medikamente meinen Tag. Zwischendurch ist mir ein bisschen übel. Also nehme ich zwei Stunden nach jeder Antibiotikatablette einen Teelöffel Flohsamen und trinke obendrauf Kamillentee. Ich hoffe, dass die Nebenwirkungen nicht so schlimm werden, dass ich die Behandlung abbrechen muss.

In zwei Wochen ist der nächste Biopsietermin. Dann sehen wir ob es gewirkt hat.

Mittwoch 23.Januar – Dienstag 5. Februar 2019

2 x täglich eine Tablette Doxizyclin

Samstag 27. Januar 2019

Ich habe unerträgliche Rückenschmerzen. Über die folgenden Tage wandern die Schmerzen vom Rücken in die Beine bis in die Füße. Die Gelenke fangen an zu knacken und ich habe Schmerzen an allen Gelenken Hüfte abwärts. Ich fahre mit dem Bus, den Weg dahin watschle ich wie eine Ente. Beim Socken anziehen knacken die Knöchel, in die Knie gehe ich schon gar nicht mehr.

Ich lese (nicht im Beipackzettel), dass eine der seltenen Nebenwirkungen von Antibiotika der Abbau von Gelenken oder Gelenkschmiere ist. Ich kriege die Krise und hoffe, dass der Schaden nicht anhalten wird und nach dem Absetzen wieder weg geht. Ich besorge mir Mineralien. Sport ist vollends gecancelled. (Jetzt, währned ich dies hier Mitte März 2019 korrektur lese schmerzen noch immer meine Knöchel – jetzt, April 2019, kommt immer wieder in Schüben das Knacken und geht aber auch wieder weg, interessanter Weise immer um meine Periode herum…).

Freitag 1. Februar 2019

Seit drei Tagen habe ich eine schwarze Zunge. Erst dachte ich, das wäre von der Lakritze, dich ich gegessen hatte. Nur dass die Verfärbung am Tag drauf immer noch da war. Nebenwirkung des Antibiotikums. Außerdem bin ich total fertig, müde und emotional auch wieder auf ganz dünnem Eis.

Außerdem, wieso heißt dieses Präparat Doxycyclin? Das klingt nicht nach etwas das ich schlucken möchte, sondern was der Landwirt in der Nachbarschaft auf dem Acker ausbringt…. naja, indirekt tut er das vielleicht sogar …

Sonntag 3. Februar 2019

Ich bin so fertig von den Medikamenten, dass ich den Tag im Bett verbringe. Nur noch ein paar Tage aushalten. Und dann HOFFENTLICH!!! nie wieder.

Mittwoch 6. Februar 2019

Kontrollbiopsietermin. Um 10 Uhr bin ich fällig. Beim Ausziehen der Schuhe fährt es mir so richtig in den Rücken rein. Ich jaule auf vor Schmerz. Zwei Tage hält der Schmerz danach noch an. Michael ist auch dabei. Die Ärztin fuddelt wieder ewig an meinem Gebärmutterhals rum, bis sie rein kommt. Es tut kurz höllisch weh und dann ist sie schon fertig und hat eine Probe Gebärmutterschleimhaut entnommen.

Die Schmerzen in den Gelenken sollten wieder weg gehen, meint sie. Sollten die in einer Woche noch da sein, sollte ich nochmal kommen. Tatsächlich bessern sich die Schmerzen erst, gehen aber nicht wirklich ganz weg und sind drei Wochen nach Absetzen der Antibiotika in Kien und Fußgelenken wieder da.

Jetzt sollen wir wieder vier Wochen auf das Biopsieergebnis warten. Ich hoffe sehr, dass das Ergebnis so früh wie das letzte mal kommt und wir vielleicht sogar den kommenden Zyklus nutzen können! Außerdem wird noch Blut abgenommen um was weiß ich zu testen.

Wochenende 23. und 24. Februar 2019

Ich kann abends kaum einschlafen. Was wenn das Biopsieergebnis doch wieder positiv ist und ich die Entzündung nicht los geworden bin? Kann da Krebs entstehen? Muss ich nochmal Antibiotika nehmen oder sind das vielleicht Viren und das hilft eh alles gar nichts?

Dienstag 26. Februar 2019

Anruf aus der Klinik. Nach knapp drei Wochen ist das Ergebnis da: Entzündung: negativ. Ich bin so unglaublich erleichtert. Die Ärztin meint, dass wir dann auf die Periode warten und im nächsten Zyklus einen Kryotransfer machen könnten. Ich erwähne, dass ich gerade an Zyklustag 12 stehe und den Eindruck habe, dass der Eisprung noch nicht statt gefunden hat aber kurz bevor steht. Sie fragt, ob wir es probieren wollen. Begeistert sage ich zu und bin eine Stunde später bei ihr in der Klinik.

Ja, ein Follikel ist voll aufgebläht, noch kein Eisprung, aber bestimmt nicht mehr lang hin. Wenn die Blutwerte ausgelesen seien könnte man mehr sagen. Die Schleimhaut sei leider erst noch auf 5,5mm. Da wollten wir mehr. Ich soll morgen wieder kommen.

Mittwoch 27. Februar 2019

Diesmal kommt Michael wieder mit. Das Follikel ist da, die Hormonwerte seien hervorragend (wunderschön) und die Schleimhaut ist bei traumhaften 7,0mm. Den Transfer könnten wir in der folgenden Woche machen. Für den Abend kriege ich Pregnyl zum Auslösen des Eisprungs mit. Ausserdem hätten sie bei dem Bluttest vom 6.2. leichte Rheumawerte entdeckt (AH Irgendwas bei 160). Das könnte ein Fehlalarm sein, aber falls es zum Transfer käme und die Werte nicht nochmal geprüft werden können oder sich nochmal als positiv herausstellen, müsste ich Aspirin nehmen – bis an das Ende der Schwangerschaft.

Am Abend löse ich routiniert den Eisprung aus. Selber spritzen? HA! Ein Witz. Woran man sich nicht alles gewöhnen kann.

Mittwoch 6. März 2019

Um 12 Uhr ist der Termin für den Transfer. Ich meine es gut mit dem Trinken und habe gelernt. Kein Sport vorher. Außer Yoga am Morgen, aber das ist dann so lange her… In der Klini platzt mir fast die Blase und die Herrschaften sind natürlich in der Mittagspause. Ich kriege die Krise. Das erste Mal in meinem Leben gehe ich auf die Toilette und lasse nur ein bisschen was raus. Das entspannt die Muskeln schon so gut, dass es nicht mehr ganz so schlimm ist und der verkrampfte Schmerz nachlässt. Michael verbiete ich den Mund, ich kann gerade nur mit mir selber, von außen brauche ich keinen Input. Dann um 12:30 liege ich endlich auf dem Stuhl. Ah! Die Blase ist eher zu voll. Ich gehe also noch zweimal auf die Toilette und lasse ab.

Dann kommt die Chefin, da wir diesmal privat zahlen, kommen wir in den Genuss. Und ich bin froh, sie ist nämlich die, die es bisher immer durch den Gebärmutterhals geschafft hat. Und siehe da, ein bisschen drückts und zibbelts und schon ist sie drin, der Embryo auch und der Katheder wieder raus. Ich soll noch 10 Minuten liegen bleiben. Und beim einem BMI von 19 da sollte ich schon noch so zwei Kilo drauf kriegen. Es gibt wenige Themen die mich reizen, aber hier kann ich nur schwer an mich halten. Mein BMI ist immer noch im Normalbereich, nicht untergewichtig und ich bin es satt, nachdem ich Jahre erfolglos versucht habe zuzunehmen, mich auf mein Gewicht ansprechen zu lassen. Aber gut, ich habe gelernt, Ohren anuf Durchzug stellen, ja sagen und die Leute sind glücklich. Ich soll ruhig mal ’n Schnitzel mehr essen. Dass ich vegetariern bin, sage ich lieber erst gar nicht, sonst kommen noch mehr uneingeladene und uninformierte Ernährungstips und Bedenken. Manchmal hasse ich Menschen. Zum Abschied nimmt sie mit beiden Händen meine Hand und schaut mir mit schiefem Kopf intensiv in die Augen. Um Himmelswillen, denke ich, was kommt jetzt. Sie wünscht mir bedeutungstschwerst „Alles Gute“. Kaum ist sie weg jaulen Michael und ich auf. Zwei Tage brauche ich, diesen Gesichtsausdruck aus meinem Kopf zu verbannen.

Oh! Und wir haben eine Alternative für die scheiß Vagnialtabletten (Arefam oder Utrogestan) erhalten: Duphostan. Soll nicht diese krassen Nebenwirkungen haben und soll oral eingenommen werden! Außerdem soll ich die ja wieder nur unterstützend nehmen..

Die Chefin wirkte irgendwie nur so halb glücklich als sie darauf zu sprechen kam. Sie hat dann noch einen Bluttest angeordnet um feststellen zu lassen, ob das Progesteron auch tatsächlich in meinem Blut ankommt. Ich hoffe ich habe die totale Überdosis und kann auf die Dinger verzichten. Aber ich will mich ja nicht beklagen. Die orale Einnahme ist eine absolute Verbesserung meiner Lebensqualität!

Jetzt müssen wir wieder bis zum Schwangerschaftstest warten. Das warten ist ok. Den Anruf und das negative Ergebnis möchte ich jetzt schon hinter mir haben. Gestern habe ich einer Freundin erzählt, dass wir den Transfer schon hatten. Auf die Frage wann  denn der Test sei habe ich fast Tränen in den Augen bekommen. Der scheiß Anruf ist mit Abstand das Schlimmste. Am liebsten würde ich die Blutprobe abgeben und dann auf vorspulen drücken. Ich höre schon an der Art, wie sich die Klinikperson am Telefon meldet, was für eine Nachricht sie überbringen wird…  in mir zieht sich schon beim Gedanken daran alles zusammen und ich will nur laufen. Ganz ganz weit weg laufen. Dann hat man doch wieder gehofft und dann ist es doch wieder negativ und das Loch ist noch tiefer als das vorher und nix hilft, gar nix, immer weniger ist möglich. Und dann wiederholt sich alles nur um dann wieder genau an dieser Stelle, diesem scheiss Anruf raus zu kommen.

Samstag & Sonntag, 16 und 17. März

Die Schwangerschaftstest die ich zu hause mache sind negativ. Es besteht also noch Hoffnung, aber eigentlich ist klar, das war mal wieder nix.

Montag 18. März

Bluttest in der Klinik, mit Mittags „leider“ zu spät um noch am selben Tag das Ergebnis zu bekommen.

19. März 2019

Anruf der Ärztin: negativ. Ich sollte die Progesterontabletten noch ein paar Tage nehmen um die Periode rauszuzögern, dann könnten wir mit der letzten Stimulation anfangen. Ich lehne ab. Ich habe das schon auskalkuliert und egal, wann genau die Periode einsetzt, die Punktion landet immer auf meinem Geburtstag. Ich mag nicht auch noch meinen Geburtstag in der Klinik verbringen. Außerdem wollte ich fasten, das kann ich dann auch erst mal in Ruhe machen. Auf meine Frage, was Sie denn noch für Tests machen würde meint Sie, dass wir eigentlich alles durch hätten. Ich bin froh. Dann gibt es jetzt noch eine Stimulation hoffentlich ein oder zwei Transfers und dabei keine weitere Überraschungen und dann ist diese Behandlung ENDLICH an ihrem verkackten Ende angelangt.

Back to square one. Auch wenn ich einfach gern davon laufen würde und entsprechende Pläne schon in der Schublade liegen, mach ich das halt noch. Dann hab ich’s gemacht. Ist jetzt auch vollends egal.

Dank der Besuche bei Freunden und meiner ausgedehnten Erfahrungen als sehr viel größere Schwester weiß ich, dass es Dinge gibt, die mir nicht fehlen werden. Also voller Fokus darauf. Mein Leben ist nämlich eigentlich geil. Ich kann jeden Tag ausschlafen, meine Arbeit erlaubt das. Am Wochenende machen wir Wanderungen, die weder für getragene Kleinkinder, noch Halbreife geeignet sind. Meine Freunde mit Kindern um mich sind ständig mit irgend einem Scheiß krank, ich bin es nur, wenn ich sie besucht habe. Da macht man sich Sorgen um die Entwicklung in der Schule, Probelme in der Schule, Drogen, Drogenhandel, Windelentwöhnung und aufs Klo gehen, sprachliche Entwicklung, berufliche Reisen absagen, weil Kind krank… langweilige Stunden auf dem Kinderpspielplatz oder einfach nur zuhause. Dahin ziehen, wo Kinder in die Schule/Kindergarten können, wo Elternsein und Beruf vereint werden können… Mit sowas muss ich mich dann ganz einfach nicht beschäftigen. Ich bin frei. Die Welt liegt mir zu Füßen.

 

 

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s